Nikolai Kinski

 

Kinski spricht Kinski:
„Fieber - Tagebuch eines Aussätzigen“

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PROGRAMMINFORMATION:

Im Sommer 1952, sieben Jahre bevor er die erste und zehn Jahre bevor er die letzte seiner insgesamt 32 (!) Sprechplatten aufnehmen wird, schreibt Klaus Kinski eine Sammlung wütender Gedichte. Sie sind geprägt durch die tiefe Kenntnis der Verse seiner Vorbilder und Seelenverwandten Villon und Rimbaud, aber auch bereits hiesige Vorläufer der amerikanischen Beatnik-Kultur. Doch obwohl Klaus Kinski sich auf der Bühne und auf Schallplatten durch einen beachtlichen Teil der Weltliteratur kämpft, an den Zeilen anderer so lange herumfeilt, bis sie sich in Dumdum-Geschoße verwandelt haben, sich als Literatur-Presley in Deutschland ein Millionenpublikum und die Basis seines späteren Ruhmes erarbeitet, wird er die eigene Lyrik nie vortragen, nicht einmal zur Veröffentlichung bringen. Im Sommer 2001 erscheint der Gedichtband „Fieber - Tagebuch eines Aussätzigen? posthum und erntet ein gewaltiges Medienecho. So rezensiert der Stern das „wirklich spannende Buch“ mit fünf Sternen, attestiert die Badische Zeitung, dass „Selbst die wüstesten Blasphemien und Provokationen tadellos gereimt sind“, lobt die Sächsische Zeitung das „erstaunliche Niveau der Gedichte“, erkennt die Rhein-Zeitung in dem „irren Buch“ einen „Klassiker hoher deutschsprachiger Dichtkunst“ und kommt der Focus zu dem Schluss, dass Kinskis Verse „von gefährlicher Präzision? und „die literarische Entdeckung des Jahres“ sind. Im Herbst 2001 unternimmt der in Kalifornien englischsprachig aufgewachsene Schauspieler Nikolai Kinski eine erste ausgedehnte Reise in die Heimat seines Vaters. Fasziniert von der deutschen Kultur übersiedelt er zwei Jahre später nach Berlin und lernt seine ersten deutschen Worte. In der Folgezeit gelingt ihm der berufliche Spagat zwischen deutschen TV- und internationalen Kino-Produktionen. Für seine Rolle als Egon Schiele in „Klimt“ erhält er 2006 den österreichischen Fernsehpreis „Romy“. Sein letzter Theater-Auftritt, in der Doppelrolle des Pentheus und seiner eigenen Mutter Agaue in Euripides´ „Bakchen“ fand vor sechs Jahren in New York statt. Mit „KINSKI spricht KINSKI: Fieber - Tagebuch eines Aussätzigen“ kehrt Nikolai Kinski auf die Bühne zurück und schließt die Rezitationslücke, die sein Vater hinterlassen hat.

PRESSESTIMMEN HÖRBUCH:
Gewaltig, diese CD, ein Gänsehaut-Erlebnis, losgelöst und zeitlos. Das ist nicht einfach Literatur, Lyrik, das ist ein ganz besonderer intimer, existentieller Moment! Und den schenkt uns, muss man sagen, Nikolai Kinski. Es wäre falsch, allein zu sagen, dieser Nikolai Kinski schaffe es mit seiner Stimme, seinen Vater wieder zum Leben zu erwecken, - er schafft noch weit mehr: Was wir auf dieser CD hören, das ist die Seele des Klaus Kinski. Hier erfahren wir, was für ein Mensch er wirklich war. (Deutschlandradio Kultur)
 
Nikolai Kinski mäandert gekonnt zwischen zärtlicher Zuneigung und wohltuender Distanz, wenn er die Verse des Vaters liest. So wird aus dem Dichter-Ich ein Dialog zwischen Vater und Sohn: ein ungemein spannender literarischer Versuch.
(Frankfurter Neue Presse)

 
PRESSESTIMMEN TOURNEE:
Eine Stunde, in der der Wahl-Berliner dem Publikum im voll besetzten Spiegelzelt einen kleinen Einblick in das große, wirre Universum seines exzentrischen Vaters gewährt. Mit Erfolg: Das Publikum feiert Nikolai Kinski zum Schluss begeistert. Vergleiche mit dem übergroßen Vater braucht er dabei nicht zu fürchten. Die Intensität, mit der Nikolai Kinski die Texte vorträgt, lässt erahnen, was für ein schauspielerisches Talent in ihm steckt. (AP)

Gestern lieferte Nikolai Kinski ein erstaunliches Zeugnis seiner in relativ kurzer Zeit erworbenen deutschen Sprachkenntnisse ab und trug die Gedichte seines Vaters in einem einstündigen Nonstop-Programm auswendig und ohne Versprecher mal leise, fast zärtlich oder einschmeichelnd klingend und dann wieder mit einem zornbebenden Wutausbruch vor. Dafür erhielt er anerkennenden Beifall im vollbesetzten Theaterzelt. (DPA)

Nikolai Kinski schäumt nicht, tobt nicht, provoziert nicht, kopiert und imitiert nicht. Er steht einfach nur da und interpretiert den Text, so wie er ihn sich angeeignet hat: völlig konzentriert, pur, unprätentiös. Den dunklen Versen suchend auf den Fersen. Das hat etwas sehr Ehrliches, Empfindsames, Glaubwürdiges. Es überzeugt. (Süddeutsche Zeitung)
 
Was für ein mutiges, fast tollkühnes Projekt. Und schon nach wenigen Minuten war klar: was für eine veritable Entdeckung. Mit Verve sprach Nikolai Kinski (in übrigens exzellentem Deutsch), ließ träumerisch den Blick schweifen und schaffte es nur durch Modulation seiner Stimme, das von Klaus Kinski formulierte Archiv der Gefühle lebendig werden zu lassen. (Westdeutsche Zeitung)
 
Die Intensität und Emotionalität, mit der Nikolai Kinski den Versen seines (Über-) Vaters Leben einhaucht, dabei die provokanten und provozierenden, metapherreichen Sprachbilder seines Vaters zwischen Zuneigung und Distanz, mal verhalten und dann wieder ekstatisch, flüsternd und schreiend, zärtlich und verstörend aggressiv als einen großen Monolog darbietet, ist überwältigende Vortrags- und Schauspielkunst. (Magdeburger Lokalanzeiger)
 
Es ist ein Konzert der Worte, getragen vom Miteinander der Harmonien und Disharmonien. Nikolai Kinski geht auf in der Darbietung der Gedichte seines Vaters, die drastisch in ihrer Wortwahl, aber voll menschlicher Wärme sind. (Westfälische Rundschau)
 
Nikolai Kinski nimmt dieses wild wuchernde Erbe durchaus ernst und bescheiden an, versucht keine Kopie des Vaters, transportiert die provokanten Bilder engagiert, aber nicht exaltiert, poetisch und mit sanfter Distanz. Der durchaus stürmische Applaus dafür zeugt schon von einer Fan-Gemeinde aus seiner Generation. (Nürnberger Nachrichten)
 
Wie ein Rezitator aus einer längst Historie gewordenen Tradition lässt er die Stimme über zarte Worte wie ?Ich bin das Perlenkraut auf jedem Mädchenschlaf? tanzen, singt die Poesie aus, um sich immer wieder in Exzesse zu werfen, eine Suada aus Wut und Verzweiflung auszuspucken. Das ist anstrengend und begeisternd. (Sächsische Zeitung)
 
Und so ist der siebzigminütige Auftritt gerade in seiner Intimität am stärksten: wie Kinski junior Pausen setzt und Stille auskostet, wie er seufzt und dabei die Stimme zittert. Ganz der Vater, bloß ohne den deklamatorischen Manierismus der Fünfziger, ohne jenes Konsonantenbeben, jene Stimmeruptionen, die so befremdlich anmuten. (Darmstädter Echo)
 


 

Selbsbezichtigung

CD Audiothek / Eichborn / Edel 2005
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INHALT:
?Ich bin auf die Welt gekommen. Ich bin geworden. Ich bin gezeugt worden. Ich bin entstanden. Ich bin gewachsen. Ich bin geboren worden. Ich bin in das Geburtenregister eingetragen worden. Ich bin älter geworden.
Ich habe mich bewegt. Ich habe Teile meines Körpers bewegt. Ich habe meinen Körper bewegt.
Ich habe mich auf der Stelle bewegt. Ich habe mich von der Stelle bewegt. Ich habe mich von einem Ort zum andern bewegt. Ich habe mich bewegen müssen. Ich habe mich bewegen können...?
 
Dazu der Autor: ?Selbstbezichtigung ist ein Sprechstück für einen Sprecher und eine Sprecherin. Es gibt keine Rollen. Sprecherin und Sprecher, deren Stimmen aufeinander abgestimmt sind, wechseln einander ab oder sprechen gemeinsam, leise und laut, mit sehr harten Übergängen, so daß sich eine akustische Ordnung ergibt?.
 
INTERPRETEN:
Nikolai Kinski gibt sein Debut in einem deutschsprachigen Hörbuch. ?Selbstbezichtigung? spricht er an der Seite der deutschen Popentdeckung Mieze, Sängerin der Band MIA.
 
PRESSESTIMMEN:
Starke "Selbstbezichtigung" im Alten Postbahnhof
[von Johanna Merhof / Berliner Morgenpost]
 
 Die Sprache ist ein Transportmittel. Sie überbringt unser Gedankengut und unser Gefühlsgepäck vom Sender zum Empfänger. Im idealen Fall tut sie das auf direktem Weg. Zumeist jedoch muß sie viele Kurven nehmen und erreicht ihr Ziel gegen einen hohen Preis: Den Verlust der Unmittelbarkeit oder auch der Wahrheit.
 
"Ich", sagt sie, "bin geboren worden." "Ich", sagt er, "habe mich gemacht." Der kleine Saal des Postbahnhofs ist voll besetzt. Die Bühne schwarz. Kahl. In der Mitte ein Tisch, zwei Hocker, zwei Vorleser: Die Berliner Sängerin Mieze und der Schauspieler Nikolai Kinski.
 
"Ich habe an Orten ausgespuckt, an denen zu spucken einen Regelverstoß bedeutete", sagt er. Seine Stimme, sein Gestus, sein Gesicht: Sanft. Glühend. "Ich habe mich selbst nicht überwunden", sagt sie. Ihre Stimme, ihr Gestus, ihr Gesicht: Präzise. Verspielt. An diesem Abend wird das Wort "ich" so oft geflüstert, gehaucht, geschrieen werden, daß das Publikum schnell ahnt: Hier geht's um mich. Denn ich bin eine Welt. Du auch, aber das ist dein Bier. Es geht um eine Universalbeichte, einen Striptease des Lebens. Die Tänzerin, die ihre Hüllen fallen läßt, ist die Sprache. Sie offenbart ihre Tarnung, ihre Masken, ihre Mehrschichtigkeit. Sie ist nackt und bedürftig.
 
Willkommen im Kosmos des Peter Handke. Junge Menschen lauschen andächtig seiner "Selbstbezichtigung", einem Sprecherstück von 1966 für zwei. Handke, dem Kinski und Mieze eine betörend eindringliche Stimme verleihen, zeigt auf, wie schamlos sich ein Leben mitteilen läßt, bis es auf die unteilbare Essenz stößt: Auf das schlichte Sein.